Benjamin Melzer: Der erste Transmann auf dem ‚Men’s Health‘-Cover

36

Auf dem aktuellen Cover der deutschen „Men’s Health“-Ausgabe ist zum ersten Mal ein Transmann zu sehen: Der 29-jährige Benjamin Melzer posiert gemeinsam mit vier anderen Lesern des Magazins – eine Premiere in der zwanzigjährigen Geschichte der deutschsprachigen Ausgabe.

Kein anderer war beim Shooting so locker

Die fünf Männer haben am „Covercontest“ des Magazins teilgenommen. Nun zieren sie gemeinsam das Titelblatt der Ausgabe für Abonnenten. Markus Stenglein, Chefredakteur von „Men’s Health“ ist von Benjamin begeistert: „Beim Shooting war Ben so außergewöhnlich locker und souverän vor der Kamera wie kein anderer.“ Der Grundstein für eine Karriere als Fitnessmodel scheint gelegt.

Dass Benjamin Melzer nicht als Mann geboren wurde, ist für die Zeitschrift kein Problem: „Ben sieht aus wie ein Mann, er fühlt sich wie ein Mann, er ist ein Mann“, macht Chefredakteur Stenglein klar.

Vorurteile abbauen, Ansprechperson sein

Ein Selbstverständnis, das auch Melzer nützt. Er ist froh, einen „Anstoß in Richtung Transmänner“ zu geben. Im Modelling sieht er auch einen politischen Auftrag. Er will Vorurteile abbauen, als Vorbild fungieren und anderen Transmenschen in Sozialen Medien als Kontakt für Fragen zur Verfügung stehen.

Das imponiert auch den „Men’s Health“-Chefredakteur: „Die Transgendergemeinde braucht Menschen wie Ben“, findet Stenglein.

Auf Instagram folgen Benjamin Melzer schon mehrere zehntausend Fans – darunter auch andere Transmänner. „Ich bin stolz auf dich! Du bist meine Inspiration. Ich hoffe, dass ich eines Tages wie du sein werde“, schreibt ein Nutzer.

Darin sieht Nicole Faerber, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität, eine Gefahr. Denn bei Melzer sei die Geschlechtsanpassung besonders gut gelungen. „Das ist ein Ideal, das nicht jeder erreichen kann“, warnt sie.

Transgender leben auch jenseits von männlich und weiblich

Wie viele Transgender es gibt, ist unklar. Die Schätzungen gehen weit auseinander: Die einen sprechen von einer auf 1.000 Geburten, die anderen gehen davon aus, dass eine von 100.000 Geburten trans ist. Nicht alle lassen ihr Geschlecht aber anpassen oder leben abseits ihres geborenen Geschlechts. Viele bezeichnen sich als „Weder-Noch-Menschen“, erklärt Nicole Faerber. Auch dieser Teil des Regenbogens ist bunt.

Damit haben aber breite Teile der Gesellschaft ein Problem: „Die Idee, dass es jenseits von ‚männlich‘ und ‚weiblich‘ etwas geben könnte, ist gesellschaftlich noch nicht akzeptiert“, erklärt Faerber, warum viele Transgender ihr Geschlecht anpassen wollen.