[Video] Nach schwulenfreundlicher Werbung: „El Corte Inglés“ knickt vor Homo-Hassern ein

21.000 Unterschriften und Boykott-Aufrufe der Konservativen zwangen die Kaufhaus-Kette zum Handeln

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Schwules Paar im Werbespot
El Corte Inglés/YouTube

Fast jeder Spanien-Tourist kennt die Kaufhauskette „El Corte Inglés“. Ob am Plaza del Callao in der Innenstadt von Madrid oder am Plaça de Catalunya in Barcelona – das beliebteste Warenhaus der Spanier ist präsent. In einem Werbespot zum Schulbeginn spielte ein schwules Paar die Hauptrolle. Doch das zog einen Sturm der Entrüstung der Konservativen nach sich.

Der Spot zeigt den Alltag einer Regenbogenfamilie

Dabei ist der Spot einfach und humorvoll: Zwei Väter scheitern daran, die Schulbücher in Folie einzuwickeln, und ein Bub sagt zu seinem Freund: „Ich habe dir doch gesagt, mit zwei Vätern geht’s auch nicht schneller.“

Das schwule Paar küsst sich nicht, berührt sich nicht, sagt sich nicht, dass es sich liebt – es versucht einfach nur recht erfolglos, ein Schulbuch zu bekleben. Und trotzdem empören sich Homo-Hasser in Spanien über diesen Werbespot. Die Organisation „HazteOir.org“ startete eine Petition gegen die Werbung.

Blanker Hass und Empörung wegen zwei Vätern

So erklärten sie: „‘El Corte Inglés‘ sagt, Kinder brauchen nicht einen Vater und eine Mutter. Aber die Wahrheit ist, das ist die natürliche Familie“. Das müsse auch „El Corte Inglés“ akzeptieren. Dass Spanien die Ehe bereits 2005 für schwule und lesbische Paare geöffnet hatte, ignoriert die Initiative.

Mehr als 21.000 Unterschriften gegen den Werbespot sammelten die konservativen Aktivisten. Das scheint nicht viel – immerhin haben bereits im viel kleineren Österreich mehr als 50.000 Menschen eine Initiative für eine Öffnung der Ehe unterschrieben. Doch die Aktivisten waren auch an einer anderen Front aktiv: Dem Telefon. Das Unternehmen registrierte über diesen Weg unzählige persönliche Beschwerden über das schwule Paar.

Weiters rief die konservative Aktion ihre Mitglieder dazu auf, die Warenhaus-Kette zu boykottieren: „Ihre wichtigsten Kunden sind Familien, und wenn sie etwas anderes wollen, kaufen Sie an anderen Orten“, erklärte Ignacio Arsuaga, Vorsitzender von „HazteOir.org“. Schließlich übergab er die Unterschriften öffentlichkeitswirksam der Geschäftsleitung.

Letztendlich gab „El Corte Inglés“ den Homo-Hassern nach

Der größte Einzelhändler Europas mit einem Jahresumsatz von 15 Milliarden Euro knickte ein. Der Spot wurde von der Webseite und aus dem YouTube-Kanal von „El Corte Inglés“ gelöscht und wird auch nicht mehr im Fernsehen gezeigt. „¡victoria!“, Sieg, schrieben die Anti-Homo-Aktivisten auf ihre Homepage.

Bei anderen Gelegenheiten hat „El Corte Inglés“ übrigens kein Problem mit der Community: So haben die Kandidaten der Wahl zum „Mister Gay Pride España“ seit Jahren publikumswirksam im Madrider Haus der Warenhauskette posiert.